Internet per Satellit - Eutelsat hat Startschuss für Ka-Sat gegeben Wer abgeschieden auf dem Land wohnt, bemühte sich bislang selbst in Deutschland oft vergeblich um eine schnelle und gleichzeitig erschwingliche Internetverbindung. Jetzt kann ein neuer Satellit Abhilfe schaffen. Das Hightech-Gerät von Eutelsat mit dem schlichten Namen Ka-Sat gilt als weltweit leistungsstärkstes seiner Bauart. Mit einer Kapazität von bis zu 40 herkömmlichen TV- Satelliten kann es in Europa zwei Millionen Menschen ein schnellen Zugang zum Datennetz bieten. Allein in Deutschland hofft der Satellitenbetreiber auf 200.000 zahlende Kunden. Am Dienstag wurde der Ka-Sat final in Betrieb genommen. Damit "schlagen wir ein neues Kapitel für erschwingliche und schnell verfügbare IP-Lösungen auf. Europa schiebt sich damit an die Spitze leistungsstarker Satelliten-Technologie, die einen raschen Beitrag zur Überbrückung der digitalen Kluft leisten kann", sagte Eutelsat-Chef Michel de Rosen. In Deutschland gibt es immer noch zahlreiche Haushalte im ländlichen Raum, die keinen schnellen Zugang zum Internet bekommen. Eutelsat tritt mit dem Angebot in direkte Konkurrenz zu Telekommunikations- und Kabelkonzernen, die die Lücken auf der Online-Landkarte in Deutschland mit dem nächsten Mobilfunk-Standard LTE füllen wollen. Im französischen Toulouse waren im vergangenen Jahr die Vorbereitungen für den Weltraumstart des 350 Millionen Euro teuren Projekts gelaufenb. Auf dem Gelände des Weltraumkonzerns EADS Astrium machten die Ingenieure die letzten Tests, bevor der 5,8 Tonnen schwere Satellit Ende November zum Weltraumbahnhof Baikonur nach Kasachstan geschickt wurde. "Es ist einer der komplexesten und größten Satelliten, die wir je gebaut haben", sagt der zuständige Astrium- Manager Aziz Bouhia. Rund 30 Prozent des Satelliten ist "Made in Germany". Unter anderem Astrium-Ableger in Ottobrunn bei München, Lampoldshausen und Bremen haben zugeliefert. Den Quantensprung im Vergleich zum derzeitigen Internet per Satellit soll vor allem eine bessere Verteilung der Datenströme ermöglichen. Statt wie bisher auch die von einem einzigen Internetnutzer angeforderten Informationen über ganz Europa abzustrahlen, wird sich Ka-Sat auf kreisrunde Gebiete mit einem Durchmesser von 250 Kilometern beschränken. Von diesen gibt es jedoch 82, so dass trotzdem ganz Europa und sogar Teile Nordafrikas abgedeckt werden. Multispot-Technik ist auch für regionale TV- Sender interessant Die Multispot-Technik ist auch für regionale TV- Sender interessant, für die es bislang Kapazitätsverschwendung war, über Satellit ausgestrahlt zu werden. Hauptzielgruppe sind allerdings mit Breitbandverbindungen unter- oder sogar unversorgten Gebiete. "Rund 13 Millionen Haushalte in Europa bekommen über herkömmliche terrestrische Technik derzeit keinen schnellen Zugang zum Internet", verdeutlicht der für das Projekt zuständige Eutelsat-Direktor Jean-François Fremaux. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass Anfang kommenden Jahres noch 1,5 Prozent der deutschen Haushalte eine nur schlechte Internetverbindung haben werden. Als ausreichend schnell gilt allerdings bereits eine Verbindung mit einer Datenübertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde. Ka-Sat bietet dem Internetnutzer Download-Raten von 10 Megabit pro Sekunde und Upload- Geschwindigkeiten bis vier Megabit pro Sekunde. Die Preise sind ebenfalls bei verschiedenen Eutelsat-Partnern schon festgezurrt, ab 30 Euro zahlen Interessenten monatlich. Hinzu kommen der Anschaffungspreis für die Schüssel und die Technik. Eutelsat vertreibt "Tooway" nicht selbst, dafür stehen die Unternehmen Schott und SkyDSL bereit. Der Service konkurriert mit "Astra2Connect" von SES Astra. Beide kommen im Vergleich zu klassischen DSL- oder Kabelinternet-Anbietern nur auf marginale Kundenzahlen. Das liegt einerseits am Preis der Pakete und der bisherigen niedrigen Geschwindigkeit, andererseits aber auch an bestimmten technischen Unzulänglichkeiten beim Online-Zugang über die Schüssel. Unter anderem sind die Latenzzeiten sehr hoch, was Echtzeitanwendungen wie Internet-Radio oder Multiplayer-Spiele sehr schwierig macht. Astra hat bereits angekündigt, erst 2012 in den Kampf um Bandbreiten über Satellit einzusteigen. Experten weisen darauf hin, dass niemand weiß, ob es nicht bald schon noch günstigere Möglichkeiten geben wird, auch in abgelegenen Gebieten schnelles Internet anzubieten. Quelle:satundkabel.de